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Herbstliche Landstraßen und Orgelklänge

Studenten des Klausenburger Konservatoriums besuchten am 10. Oktober 2009 im Rahmen einer Orgelfahrt durch Siebenbürgen auch Arkeden, um die dortige Orgel von Samuel Maetz zu bewundern und zu spielen.

Von: Johanna Halmen

Unser "Orgel-Klassenausflug" ist schon mehr als zwei Wochen her...
Thema: Kennenlernen des Klangideals und der Bauweise der Samuel Maetz Orgeln, zu denen auch die Orgel der Musik- Akademie gehört (1819/20, aus Halvelagen).

Das dafür gewählte Wochenende war ideal: goldenes warmes Herbstwetter. Wieso ist es so wichtig, dass das Wetter auch stimmt?
Geplant war die Besichtigung von sieben wichtigen Samuel-Maetz-Orgeln in Siebenbürgen. Die Stationen waren diese: Torocko/Rimetea, Rätsch/Reci, Großpold/Apoldu de Sus, Kerz/Cirta- dort steht die Orgel aus Schorsten, Martinsberg/Somartin, Schönberg/Dealu Frumos, Arkeden/Archita. Das alles gab es an zwei Tagen zu sehen und um die 500 km Straße dazwischen abzufahren, inklusive lange Strecken ungeteerte Landstraße. Das heißt, die meiste Zeit im Autobus verbringen, auf grüne Plätzchen zum picknicken angewiesen sein, immer wieder aussteigen, Kirchen besichtigen, Orgel ansehen, anhören, ausprobieren, zusammen ein Lied singen, wieder einsteigen. Bei gutem Wetter ist das ein angenehmes Ritual!


Arkeden war die letzte Station der Orgelfahrt und auch so eine Art Höhepunkt. Inzwischen war unsere Gruppe auf über 20 Personen angewachsen: zwei Orgelprofessoren der Musik-Akademie Klausenburg (Frau Professor Dr. Ursula Philippi, Herr Dr. Erich Türk), der siebenbürgische Landeskirchliche Musikwart Prof. Kurt Philippi, Frau Barbara Dutli, die schweitzer Orgelbauerin aus Honigberg mit einer Autobusladung Orgelbaulehrlingen, im Schlepptau den Berufsfotografen George Dumitru und vergessen wir uns nicht, die zehnköpfige Orgelklasse (sieben Studenten im Grundstudium, zwei im Masterstudiengang und eine Doktorandin) mit unserem Chauffeur, Herr Lonca.

Die Stimmung hatte genug Zeit gehabt zu steigen -Witze und Gelächter im Autobus, leichte Müdigkeit von den vielen Ereignissen und Eindrücken der letzten zwei Tage- und so kamen wir ziemlich fröhlich in Arkeden an. Hier empfingen uns drei Arkederinnen und mein Vater, Pfarrer Johannes Halmen mit Kaffee, Kuchen und Apfelsaft, was die letzten Reste von schlechter Laune vertrieb.

Danach ging es an unser Ritual: Ausgiebig fotografieren war immer das erste. Danach stellte Frau Prof. Philippi uns die Orgel vor, scheinbar das letzte Werk von Maetz (Opus 37, 1824 fertiggestellt), wobei sie bewunderte, wie prachtvoll das Instrument verziert ist. Auch die Vergoldung ist echt (von 1844). Leider mussten wir aber feststellen, dass einige der vergoldeten Schnitzereien fehlten, inklusive die Tafel mit dem Baujahr der Orgel. Letztes Jahr geklaut...


Interessant für die Orgelbauer war es, die noch originalen Bestandteile, besonders Orgelpfeifen, an denen diese Orgel sehr reich ist, zu entdecken. In den letzten Jahren (2007) war die Orgel von Thomas Schwarzenberg "spielbar gemacht", also das Nötigste repariert und gestimmt worden, was auch schon eine Menge Arbeit war! Die neun Manualregister klingen alle, einige sogar sehr gut. Im Pedal sieht es leider anders aus: die Pfeifen sind leider stark vom Holzwurm beschädigt und klingen nichtmehr. Deshalb wurde das Pedal erst mal ausgehängt und steht geduldig in der Orgel.

Unser liebster Teil ist es, die Orgel auszuprobieren. Wie klingen diese zwei Register zusammen? Welche Stücke kann man auf der Orgel wie registrieren und spielen? Wie wirkt welche Klangfarbe im Raum? Wie klingt sie im Vergleich zu unserer Orgel? Wie hat dieses Register wohl geklungen, als es noch ganz intakt war?

Die Arkeder Orgel kann man nicht alleine spielen. Da die Orgel keinen Motor hat, ist ein "Calcant", ein Balgtreter, unerlässlich. Teamarbeit! Uns machte es Spaß und in diesem nötigen musikalischen Sport abzuwechseln...

Die Erkundung der Orgel beschlossen wir mit einer kurzen Andacht: wir sangen zwei einfache Chorstücke und sprachen ein Gebet.

Bevor jeder wieder seiner Straße fuhr, bekamen wir ein verlockendes Angebot: Während des Sommers in Arkeden zu wohnen und die Orgel zu spielen, so oft es uns beliebt!

Was ich so wichtig finde an diesen Ausflügen, die mindestens einmal pro Jahr stattfinden, ist natürlich das Kennenlernen der Orgellandschaft hierzulande, das Erschreckende und das Schöne, Verfall und Aufbau. Außerdem ist es wichtig zu lernen, Hoffnung für diese Orgeln zu haben, die nicht nur Holz, Draht, Filz, Leder, Farbe und Zinnblech sind, sondern ein wichtiger Bestandteil der Identität einer Ortschaft. Und zu allerletzt ist es wichtig, als Orgelklasse ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln, Ideen auszutauschen, Ziele anzustreben.

Auf dem Weg zurück zum Bus, fassten wir uns alle bei den Händen und "blockierten" die Straße, auf der Frau und Herr Philippis Auto dem Dorfausgang zufuhr. Sie nahmen es gelassen und mit viel Humor und zahlten den "Zoll" in Kleingeld...

Hinweis: Sobald Fotos des Besuchs vorliegen, werden diese in der Fotogalerie zu bewundern sein.
[Update, 08.01.2010: Heute habe ich zwei Bilder im Text hinzugefügt. Danke an Johannes Halmen!]

[Anmerkungen des Admins: Das folgende Foto stammt von 2004 (siehe Fotogalerie).]

 

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