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Tod und Beerdigung 

Eine siebenbürgische Redensart besagt: Wirst du zu einer Hochzeit eingeladen, gehe als letzter hin, bei der Beerdigung sollst du der erste sein.

An dieser Tradition halten die Siebenbürger Sachsen ebenso wie wir Arkeder auch in Deutschland fest. Verwandte (bis zum 2. und 3. Grad), Nachbarn, ehemalige Kollegen, Freunde und Weggefährten geben dem Verstorbenen das letzte Geleit und spenden den Hinterbliebenen mit ihrer Anwesenheit Trost. Ist der Familienverband groß und der Zusammenhalt eng, der Verstorbene besonders beliebt oder aufgrund seines Wirkens mit vielen aus dem Dorf verbunden, können sich 100 bis 150 Trauergäste am Grab zusammen finden. Etwa 30 - 50 Personen sind es, wenn der Verstorbene hoch betagt war und in einem Bundesland lebt, wo wenig Arkeder sind. In Bayern, wo die meisten von uns leben, werden Fahrgemeinschaften gebildet, sodass diese Bestattungen in größerer Gemeinschaft stattfinden.

Nicht selten überraschen unsere Zusammenkünfte auf deutschen Friedhöfen kreuz und quer durch die Republik die betreuenden Pfarrer. Genauso wie wir hiesige Pfarrer auch damit beeindrucken, dass wir im Ablauf einer kirchlichen Bestattung sicher und erfahren sind, bis hin, dass wir die Lieder aussuchen, welche die Trauergemeinde (auch ohne Liedzettel) mitsingen kann.
 So nimm denn meine HändeGroßer Gott wir loben dich sowie „Nun danket alle Gott und Näher mein Gott zu dir werden am häufigsten gesungen.

Auch in der Kleidung bleiben wir der Tradition treu und tragen überwiegend Schwarz, die Farbe der Trauer, oder dunkle Farben.

In Anlehnung an die Blaskapelle, welche in unseren Ursprungsdörfern dem Trauerzug voraus ging, wird zuweilen auch hier ein Bläser bestellt, der am Grab spielt oder ein sächsischer Chor singt ein Lied.

Nach der Beisetzung und den Beileidsbekundungen lädt die Familie des Verstorbenen zum „Tränenbrot“ in eine Gaststätte ein.
Anders als in vielen Teilen Deutschlands üblich, wo belegte Brötchen und/oder Kaffee und Zuckerkuchen gereicht werden, hat sich unter den Siebenbürger Sachsen ein warmens Mittagessen  eingebürgert, was den vielen auswärtigen, teilweise weit angereisten Gästen Rechnung trägt. Kaffe und Kuchen runden das Essen ab.
"Es ist das letzte, was wir noch für sie/ihn tun können“ oder „Sie/er hätte es so gewollt und sich gefreut, dass so viele gekommen sind“, begründet die Familie den Aufwand und die Kosten einer solchen Trauerfeier.

Bei der Gestaltung der Trauerfeier bleibt Spielraum sowohl für individuelle Wünsche und Vorstellungen als auch für Adaptionen aus der Region, in der man gerade lebt. So ist es in katholisch geprägten Gegenden wie beispielsweise in Bayern üblich, ein Bild des Verstorbenen in der Friedhofskapelle aufzustellen und den Gästen ein Trauerkärtchen mit Photo und Geburtsdaten auszuhändigen. In Nordrhein-Westfalen ist es üblich, schriftliche Benachrichtigungen über den Tod und die Beisetzung zu verschicken, die zugleich als "Einladung" zum Tränenbrot gilt. Einige Familien (besonders in NRW üblich) verschicken im Anschluss an die Beerdigung Dankeskarten. Die meisten schalten nach der Beerdigung eine Anzeige in der Siebenbürger Zeitung, womit man die meisten unserer Landsleute erreicht.
Wir Arkeder haben über unsere Webseite eine Möglichkeit gefunden, die Dorfgemeinschaft über den Tod und die Beisetzung eines unserer Mitglieder zu verständigen, auf Wunsch auch mit einem längeren Rückblick und der Würdigung seiner Lebensleistung.

Bräuche haben sich im Laufe der Zeit stets neuen Gegebenheiten angepasst, und so wird sich auch unser heutiger Brauch weiter wandeln. Doch im Kern sind wir unserer jahrhundertealten Tradition treu geblieben: Wir ehren die Toten und stehen den Betroffenen in der Stunde des Abschieds zur Seite. So wissen wir uns auch in Zeiten großer Not gehalten von einer starken und treuen Gemeinschaft. Das macht Abschiednehmen nicht nur leichter, sondern auch würdevoller.

Diese Werte verbinden uns und geben unserem Brauchtum ein Gesicht.

Den Umgang der Arkeder mit Tod und Beerdigung haben sowohl unser ehemaliger Pfarrer Fr. Fr. Fronius (1850 - 1868) als auch Georg Binder in ihren Büchern festgehalten. Eine leicht gekürzte Abschrift aus dem Arkeder Buch von G. Binder findet Ihr hier.

 

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