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Arkeder Ahnenforschung

Ein Erfahrungsbericht von Regina Hermann und Brigitte Depner

Als Regina nach 45-jähriger Berufstätigkeit auch im Ruhestand nach einer Tätigkeit suchte, die einerseits für die Gemeinschaft nützlich ist und sie andererseits persönlich fordert und erfüllt, ermunterte Brigitte sie, die Ahnenforschung für Arkeden zu übernehmen.
Indem wir auch diese Kompetenz in die eigene HOG integrieren, nähern wir uns dem Ziel, Recherchen zur eigenen Familie online durchführen zu können, schneller und sicherer.
Wie groß die Aufgabe ist und welche Herausforderungen sie in sich trägt, erfuhren wir erst im September letzten Jahres beim Seminar der Genealogen in Bad Kissingen. Dort wurden wir sowohl in die Arbeit mit dem Programm Gen_Plus als auch in die inhaltliche Arbeit und die zugrunde liegenden Regeln eingewiesen.

Grundlage sind die kirchlichen Matrikeln aus Arkeden, bestehend aus 10 Kirchenbüchern, getrennt nach Tauf-, Trauungs- und Todesmatrikeln, sowie zwei Bänden „Familienbücher“, welche in digitaler Form vorliegen. Sie reichen zurück bis in das Jahr 1677 und wurden 1990 geschlossen. Danach müssen Veränderungen in der eigenen Familie wie Heirat, Geburt oder Tod Regina mitgeteilt werden, wenn die Familiendaten aktualisiert werden sollen. Die Daten noch lebender Personen werden auch aufgenommen, aus Datenschutzgründen aber nicht veröffentlicht.

Eingestiegen sind wir mit den Taufmatrikeln der Jahre 1840 – 1885.
Wie wichtig es ist, bei jedem Eintrag die Quelle anzugeben, der die Daten entnommen wurden, zeigt sich beim Zusammenspielen bereits eingegebener Daten und den neu erfassten. In der Vergangenheit wurde dies nicht konsequent gemacht, sodass Korrekturen, das Überprüfen und Ergänzen von Angaben (z.B. Taufpaten, Hebamme, Todesursache usw.) kaum mehr möglich sind.

Zunächst erfordert das Entziffern der handschriftlichen Quellen Übung.

Dabei leistet Brigitte in schwierigen Fällen erste  Hilfe. Doch häufig sind die Daten lückenhaft, sodass die Zuordnung einer Person zu ihrer Familie nicht immer eindeutig ist. Aber logische Zusammenhänge, eine Prise Phantasie und wachsende Erfahrung helfen über manche Hürde hinweg. Hilfe leisten sich die rund 80 Projektmitarbeiter auch gegenseitig über eine Mailingliste.

Neben dem Erlernen des Programms mit allen seinen Möglichkeiten und der Auseinandersetzung mit den Schriftbildern ist auch die inhaltliche Arbeit spannend. Man entdeckt Zusammenhänge, die man früher nicht erkannt hat. Zum Beispiel, dass der bis in die heutige Zeit als Hof- oder Rufname erhalten gebliebene Name Preußel früher als Nachname auftaucht. Dass die Auswanderung nach Amerika nicht allen Glück und Wohlstand gebracht hat, zeigt die Anmerkung: „Selbstmord begangen in Amerika“. Nachdenklich macht auch die Anmerkung: „Gestorben im angeschwollenen Bach“. Ebenso die vielen Babys, die es nicht schaffen zu überleben, manchmal mehrere nacheinander in der selben Familie. Das weckt bereits beim Abschreiben Mitgefühl mit den Eltern.

Das Programm gibt aber auch Antwort auf konkrete Fragen wie:
Welche Namen waren am häufigsten vertreten? Welche Berufe werden genannt? Mit welchen Ortschaften und Ländern waren die Arkeder in irgend einer Weise verbunden? Welches Alter erreichten sie?
Angekommen beim Jahr 1856 finde ich darauf folgende vorläufigen Antworten:
Die häufigsten Nachnamen sind Hermann (405), Fritsch (401), Schenker (280), Binder (181). Ebenfalls vertreten sind Galter, Graef, Kellner, Kraus, Weinhold, West usw.
Wenig überraschend die Vornamen: Anna und Catharina, gefolgt von Sara als Mädchennamen, Johann, Georg, Michael und Martin als Jungennamen.
Auffällig hoch ist die Kindersterblichkeit. In dem geburtenreichen Jahr 1852 sind von 36 Geburten 10 Täuflinge bereits vor dem zweiten Lebensjahr gestorben. Die anderen erreichen ein Alter zwischen 30 und 50 Jahren, selten 70 oder mehr.
Heirat und Beruf führen einige Arkeder hinaus in die Welt. Meeburg, Keisd, Radeln, Deutsch-Kreuz und Lasseln kommen in diesem Zusammenhang häufiger vor. Doch gibt es auch Verbindungen nach Deutschland, Frankreich, Österreich, Rumänien, in die Ukraine (damals Galizien), nach Ungarn und die USA. Die häufigste Berufsbezeichnung ist Landmann, Landbauer oder Ackermann, gefolgt von Handwerksberufen wie Wagenmeister, Schuster, Schlosser, Fassbinder, Messerschmied, Müller, vereinzelt auch Hebamme, Soldat, Ortshann (Bürgermeister) sowie Pfarrer, Lehrer, Prediger, Organist.

Vor und während des Eisenbahnbaus siedelten sich auch in Arkeden viele Handwerker mit ihren Familien an. Sie kamen aus Schäßburg, Hermannstadt, Oderhellen, Harghita, aber auch aus Ungarn, Deutschland und England. Ihre Kinder wurden in Arkeden geboren und getauft.

Diese Beispiele sollen einen kleinen Einblick in die genealogische Arbeit geben, welche über die reine Übertragung von Personendaten hinaus geht.

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