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Zeitzeugen zum Freikauf Rumäniendeutscher

Im Sommer hatte die Siebenbürgische Zeitung einen Aufruf des Berliner Vereins translations e.V. veröffentlicht, um Zeitzeugen für eine geplante Ausstellung im Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis zum Thema Auswanderung zu finden.
Zeitzeugen gesucht
Daraufhin habe ich mich gemeldet und wurde als Zeitzeugin ausgewählt.

Ein gekürzter Bericht von Walter Schneider erschien am 16.12.2025 auf S. 7 in der Siebenbürgischen Zeitung unter der Überschrift: Gegen das Vergessen.Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 erinnert an modernen Menschenhandel. Ungekürzt erschien er in der Banater Zeitung vom 17.12.2025 auf S. IV - V unter dem Titel: Der Mensch als Ware. Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz 2025 erinnert an modernen Menschenhandel.
Das Interview wurde in Berlin in den Räumlichkeiten des Vereins translations e.V. aufgenommen. Es soll Teil einer Wanderausstellung zum Freikauf der Rumäniendeutschen sein, welche 2026 in der Gedenkstätte Kaßberg eröffnet werden wird. Weitere geplante Stationen sind u.a. das Siebenbürgen-Institut Gundelsheim, das Goethe-Institut Bukarest und das Deutsche Forum in Hermannstadt.

Am 6. November fand im Lern- und Gedenkort Kaßberg in Chemnitz eine Podiumsdiskussion zum Thema Freikauf der Deutschen aus Rumänien statt.
Im ehemaligen Gefängnis Kaßberg saßen zu DDR-Zeiten überwiegend politische Gefangene ein. Von hier wurden die freigekauften Häftlinge aus der ganzen Deutschen Demokratischen Republik in Bussen in die Bundesrepublik entlassen.
Seit 2021 ist ihnen eine Dauerausstellung in dieser Gedenkstätte gewidmet.

Dass der Freikauf der Siebenbürger Sachsen an diesem historischen Ort Thema des Abends war, verdeutlicht, wie sehr unsere Geschichte mit der deutschen zusammen hängt, ja, dass sie integrativer Teil der gesamtdeuten Geschichte ist.

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Präsidenten des Sächsischen Landtags, Herr Alexander Dierks. Daten und Fakten rund um den Freikauf und die Auswanderungsbewegung lieferte Dr. Leber, Vorsitzender des Verbandes der Banater Schwaben. Ein Grußwort sprach Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten. 1984 selbst ausgewandert nahm er auf dem Podium auch als Zeitzeuge teil. Dr. Friedrich Maithert und ich standen stellvertretend für viele Schicksale, die letztendlich Inhalt der geheimen Verhandlungen waren.
Cornel Hüsch, Sohn des Verhandlungsführers auf deutscher Seite Heinz Günther Hüsch, gab Einblicke in die Begegnungen mit Vertretern der Securitate und das zähe Ringen um mehr Geld auf der einen und mehr freie Menschen auf der anderen Seite.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Heinke Fabritius, Kulturreferentin am Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim.

Dass sich eine demokratische Regierung auf Verhandlungen mit einer diktatorischen einlässt, wird kontrovers diskutiert.
Cornel Hüsch lehnte die Wortwahl "Freikauf" und "Exportgüter" vehement ab. Auf deutscher Seite sei es ausschließlich um Freiheit der Deutschen in Rumänien gegangen, nachdem sie infolge des 2. Weltkriegs viel Leid und Benachteiligungen erfahren hatten. Er betonte, dass nur über jene verhandelt wurde, die bereits einen Ausreiseantrag gestellt hatten. Damit ging es nicht um den Ausverkauf der Deutschen, sondern um deren Unterstützung auf ihrem Weg in ein freies Land.

Als Beitrag zur Kulturhauptstadt Chemnitz trägt die Veranstaltung dazu bei, dass eine größere Öffentlchkeit von der "Geheimsache Kanal" nach langer Geheimhaltung auf beiden Seiten Kenntnis nimmt. Zugleich sollte es für die in Freiheit Geborenen eine Warnung sein, mit unseren demokratischen Werten, Freiheiten und Möglichkeiten leichtfertig umzugehen. Wir sollten aus der Geschichte lernen, damit sie sich nicht wiederholt.

Über 80 Gäste folgten den Ausführungen. Die anschließende lebhafte Diskussion zeugte von echtem Interesse.

In der Presse und dem Lokalfernsehen wurde auch darüber berichtet:
Bericht der Gedenkstätte Kaßberg

Freie Presse Sachsen, kostenpflichtiger Beitrag

Sachsen-Fernsehen

Ende November fanden Dreharbeiten für einen Einführungsfilm in die Ausstellung in Arkeden, Schäßburg und Tg. Mures statt sowie in Mediasch, Nimesch und Meschen, wo der 2. Zeitzeuge, Dr. Maithert, geboren und aufgewachsen ist.

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